Rezension zu Die Wahrheit schmeckt nach Marzipan von Anni E. Lindner

Als ob ein Tagebuch ihren Scherbenhaufen von Leben besser machen könnte! Die 16-jährige Tally hat unerwartet ihren Vater verloren und das Letzte, was sie jetzt braucht, sind die Ratschläge ihrer selbst überforderten Mutter. Oder der merkwürdigen Therapeutin, die ihr empfiehlt, ihre Gefühle aufzuschreiben! Erst als Tally zufällig Frau Möller kennenlernt, eine alte Dame mit einem Papagei sowie einer Vorliebe für Marzipan, und ihr das Foto von deren jung verschollenen Onkel in die Hände fällt, findet sie doch noch etwas, was sie zum Schreiben inspiriert. Außerdem sind da ja auch noch ihre beste Freundin Sanna und nicht zu vergessen Mr Wow, der eigentlich Timo heißt und Tally einfach nicht mehr aus dem Kopf geht. Dummerweise ist er Christ und mit diesem religiösen Quatsch kann sie so gar nichts anfangen …

Die Wahrheit schmeckt nach Marzipan
Einzelband
Autor/in: Anni E. Lindner
Seiten: 366
Francke Verlag

Meine Meinung

Auf dieses Buch bin ich durch eine eMail aufmerksam geworden. Der Klappentext hat mich wirklich angesprochen. Das Cover passt im Nachhinein sehr zum Inhalt. Obwohl ich finde, das Cover lässt im ersten Moment auf einen seichten Liebesroman schließen, das ist absolut nicht so. Es handelt sich um ein Jugendbuch für Teenager und es geht um den Tod und Trauer, aber auch Freundschaft und Gott.

Tally ist 16 und sie ist am Boden zerstört. Ihr Vater ist an Lungenkrebs gestorben. Für Tally kam das wahnsinnig überraschend und sie ist damit völlig überfordert. Sie muss wieder zur Schule gehen, doch so richtig ist sie noch nicht bereit wieder am Leben teilzunehmen. Die ersten Tage bestehen vor allem aus weinen, noch mehr weinen, und in den Schlaf weinen. Ihre beste Freundin Sanna gibt ihr bestes, Tally zu unterstützen, dabei bietet sie ihr an, mal zu einem Treffen ihrer religiösen Gruppe zu kommen, doch Tally ist sich sicher, dass sie damit überhaupt nichts anfangen kann. Doch dann trifft sie auf Timo, er ist einfach nur Wow und geht zu diesen Treffen, dann können sie doch so schlimm nicht sein oder? Und dann ist da auch noch Frau Möller. Tally trifft sie zufällig auf der Straße, sie hilft Frau Möller beim Tragen ihrer Einkäufe und dabei kommen die beiden ins Gespräch. Immer wieder zieht es Tally zu Frau Möller und so erfährt Tallly einiges über das Leben der älteren Dame.

Tally ist zu Beginn wirklich wütend. Ihr Paps hat sie allein gelassen und sie ist darüber absolut enttäuscht. Dazu kommt, dass ihrer Mutter einen völlig anderen Weg der Trauer geht als Tally. Sie scheint einen anderen Mann zu haben, und Tally´s Wut steigert sich natürlich. Ich empfand Tally´s Verhalten und ihre Wut als nachvollziehbar. Auch, dass sie nicht so gerne zu einer Therapeutin gehen möchte. Tally ist jung, viele Dinge sind ihr noch Unbekannt, und natürlich gibt es viele Vorurteile. Völlig normal für einen Teenager.
Tally lässt sich sogar darauf ein, ein Tagebuch zu schreiben. Sie hat eine besondere Art ihre Gedanken festzuhalten, aber gerade das macht das Tagebuch schreiben zu einer so einzigartige Methode der Therapie oder? Manchmal merkt man gar nicht, wie man sich alles von der Seele schreibt und am Ende zu einer Lösung kommt.

Ähnlich geht es Tally auch mit Frau Möller. Zu Beginn noch sehr vorsichtig, später dann herzlich und liebevoll gehen die beiden miteinander um. Tally beginnt wieder, sich auch um andere Menschen zu sorgen, nicht nur in ihrer Trauer zu versinken. Sie akzeptiert, dass Menschen unterschiedlich trauern. Ihre Beziehung zu Frau Möller hilft ihr, sich auch wieder auf ihre Mutter einzulassen.

Der Glaube zu Gott hat Tally auch geholfen. Sie hat begonnen, sich langsam darauf einzulassen, vor allem die Menschen in der Jugendgruppe haben ihr dabei geholfen. Sie findet neue Freunde, Lieder und Psalmen, die ihr helfen, sich an etwas festzuhalten, ihrem Glauben.

Ich mochte die Grundidee und auch die Umsetzung dieser Geschichte. Die Autorin hat einen angenehmen Stil und dieses Buch ist so voller schöner „Zitate“. Ich bin sicher, dass dieses Buch einigen Menschen einen kleinen „Schubs“ geben kann.

Vielen Dank an den Verlag für das Belegexemplar.

Fazit

Für mich ein wirklich schönes Jugendbuch mit einem gar nicht so leichten Thema. Die Autorin schafft es, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen kann. Ich mochte die vielen Denkansätze der Autorin, wunderschöne Zitate und Gedanken, die mich sicher noch eine Weile begleiten werden. Leider ist das Cover meiner Meinung nach nicht das Richtige für diese Geschichte. Aber darüber lässt sich streiten.

Von mir bekommt diese Geschichte 4 von 5 Salatköpfen.

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